Gegen die PV-Anlage Küpfendorf und für eine sinnvolle Energiewende       



Stimmen Sie mit  JA



Lebensmittel auf die Äcker – Solaranlagen auf die Dächer



„ Energie wellet se aber et gnau vor dr oigna Haustür !“


Diesen Satz hören wir gerade öfter. Dabei zeigt schon unser Slogan, dass wir die Diskussion um die PV-Anlage Küpfendorf in einen größeren Zusammenhang eingebettet sehen.


Wir brauchen dringend eine Energiewende. Darin sind wir mit den Befürwortern der Anlage völlig einig. Doch wird in unseren Augen anhand der Frage „PV-Anlage Küpfendorf Ja oder Nein“ ein viel grundlegenderes Problem sichtbar:


Was ist eine wirklich sinnvolle Energiewende?


Küpfendorf –  ein „benachteiligtes“ Gebiet?


Die PV-Anlage in Küpfendorf soll auf Ackerland errichtet werden. Nur in vier Bundesländern ist das überhaupt zulässig. Aber auch in diesen vier Bundesländern wird die Bebauung von sogenannten „Freiflächen“ als großes Problem wahrgenommen, dem Einhalt geboten werden soll.


PV-Anlagen auf Ackerland sind in BW nur in sogenannten „benachteiligten Gebieten“ möglich. Dazu gehört auch Küpfendorf – auf dem Papier. Aber wie „benachteiligt“ ist Küpfendorf in Wirklichkeit?


Die betroffenen Flächen wurden ständig bewirtschaftet. Es könnten zum Beispiel 80t Getreide hier erzeugt werden. Förderprogramme zur Extensivierung der Flächen (Gelder dafür, dass man das Land brach liegen lässt) wurden von keinem der Landwirte für diese Flächen in Anspruch genommen. Auch hat dieses sogenannte „benachteiligte“ Land über Generationen hinweg seine Besitzer ernährt.


Falsche Subventionspolitik


Was bewegt nun die Besitzer dazu, ihr Ackerland überhaupt an den Investor der PV-Anlage zu verpachten?


Ein Grund liegt sicher in den staatlichen Subventionen und der momentanen Energiepolitik begründet. Dadurch können Betreiber von PV-Anlagen (wie auch bereits die Biogasbauern) den Landbesitzern ein Vielfaches der normalen Pacht bezahlen. Völlig nachvollziehbar, dass die Landwirte da zugreifen – Bauern müssen hart genug für ihr Einkommen arbeiten.


Diese verfehlte Subventionspolitik führt in der Folge dazu, dass (auch in der Gemeinde Steinheim/in Küpfendorf) für Landwirte, die gerne Land pachten würden um darauf Nahrungsmittel für Menschen oder ihre Tiere anzubauen, keine Flächen mehr zur Verfügung stehen – bzw. dass sie sich die von Biogasbauern und PV-Investoren in die Höhe getriebene Pacht nicht mehr leisten können.


Ökologische Agrarwende so wichtig wie die Energiewende


Dieser Tatsache trägt der Kreis Heidenheim bereits Rechnung und Heidenheim wurde als eine von vier Regionen in BW als Biomusterregion ausgewiesen.


Für eine ökologische Agrarwende braucht man dringend weitere Bioanbauflächen. Die Umstellung auf Bio ist nicht so einfach - Auflagen müssen erfüllt und Wartezeiten eingehalten werden. Nun sind 40% der Fläche, auf denen die Anlage in Küpfendorf entstehen soll, ausgewiesene Bioanbauflächen.


Es macht keinen Sinn, wenn bereits vorhandene Bioflächen zweckentfremdet werden.


Kulturlandschaft als Ressource


Küpfendorf ist mit seiner abgeschiedenen Lage und den Streuobstwiesen rings um das Dorf ein einzigartiges Kleinod im Landkreis Heidenheim. Intakte Landschaftsgebiete werden immer seltener.


Sie stellen einen Wert an sich dar und sollten nicht um jeden Preis geopfert werden. Vor allem nicht, wenn es deutlich bessere Alternativen als Standort für PV-Anlagen gibt:


Riesiges Potential an Dachflächen (und anderer Flächen) liegt brach


1,4 Terrawattpeak könnten hier erzeugt werden. Bei einem Wirkungsgrad von nur 12% wären das immer noch 168 Gigawatt. Das entspricht 200% der maximalen Grundlast von 40-80 Gigawatt der BRD. D.h. es würde überhaupt keinen Sinn machen, alle Dachflächen zu bestücken. Noch viel weniger Sinn macht es dann, Ackerland als Standort für PV-Anlagen herzunehmen.


Und zu den Dachflächen kommen sogar noch weitere, für PV-Anlagen gut geeignete Flächen:


Überdachungen von Parkplätzen, Flächen entlang von Autobahnen und Bahntrassen (niemand möchte von hier Lebensmittel essen), Schallschutzwände, Brachland u.a.


Warum also PV-Anlagen auf Ackerland? Nur weil dieses für die Investoren leichter erreichbar und damit deutlich lukrativer für sie ist!


Probleme erneuerbarer Energien


In das Stromnetz kann nur so viel Energie eingespeist werden, wie zur gleichen Zeit auch entnommen wird. Nun richten sich naturgegeben Sonne und Wind nicht danach, ob wir alle gerade kochen, duschen oder fernsehen und deshalb viel Energie benötigt wird. Sonnen- und Windenergie können bis heute nicht effektiv gespeichert und nach Bedarf ins Netz eingespeist werden. Die Stromnetze bei dieser schwankenden „Zufuhr“ stabil zu halten, kostet die Netzbetreiber jährlich Milliarden, Tendenz steigend. Diese Kosten trägt der Verbraucher.


Eine Lösung für dieses Problem böten wiederum die Dachflächen: Sind PV-Anlagen auf Dachflächen, muss der Strom gar nicht erst ins Netz eingespeist werden. Er kann direkt dort verbraucht werden, wo er auch erzeugt wird (besonders sinnvoll bei Industrieanlagen).


Wir brauchen Wirtschaftswachstum und immer mehr Energie !???


Nichts(!) kann immer nur wachsen – auch die Wirtschaft nicht. Dieser (Irr-)Glaube an unbeschränktes Wachstum bestimmt aber zurzeit weltweit die Politik und auch unser persönliches Handeln. Das wird uns nicht nur in eine Sackgasse, sondern in einen globalen Kollaps führen.


Wir müssen dringend umdenken – die Politiker*innen und jede*r einzelne von uns! Die Energiewende muss völlig neu gedacht werden. Aber auch nachhaltige Produktion ist angesagt, Handeln mit der Natur (statt gegen sie), Konsumeinschränkung und Energiesparen(!), um nur die wichtigsten Schlagworte zu nennen.


Die PV-Anlage in Küpfendorf ist dabei nur ein winzigkleiner Baustein in einer weltweiten Fehlentwicklung die dringend gestoppt werden muss.


JA

© Solarpark? Nein danke! Bürgerinitiative Küpfendorf